Archiv 2007
Alte Symphonien in neuem Kleid
„Schatz, wir könnten doch mal wieder ins Konzert gehen?“ Diese Frage führt bei einem nicht unerheblichen Teil der männlichen Bevölkerung dazu, dass sich die Nackenhaare hochstellen. Den Anzug herausholen, zwei Stunden auf die Frau warten, die im Badezimmer „jeden Moment fertig ist“, einen Abend lang den klassisch ernsthaften Blick üben – viele überkommt spontan ein Anflug von Migräne.
Dass man klassische Musik in ungezwungener Atmosphäre genießen kann, will der neue Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters in Berlin beweisen. In Los Angeles erlebte Ingo Metzmacher, der ab September 2007 sein Amt in der Hauptstadt antreten wird, zum ersten Mal die Casual Concerts und war von der Idee begeistert.
Musiker und Gäste erscheinen nicht in der sonst üblichen feierlich-festlichen Garderobe, sondern kleiden sich leger und locker. Das Orchester spielt die gleichen Stücke, die es auch in anderen Konzerten spielen würde.
Um der Zielgruppe, die in den Casual Concerts angesprochen werden soll, jedoch den Einstieg in die klassische Musik zu erleichtern, werden die Stücke vom Dirigenten erklärt.
Auch sonst ist das klassische Konzertritual aufgehoben: Es gibt keine reservierten Plätze und aus diesem Grund auch keine verschiedenen Preiskategorien. Alle Besucher zahlen einen einheitlichen Preis.
In der kommenden Saison werden erstmals drei der Casual Concerts in Berlin stattfinden.
So funktioniert das Symphonie-Prinzip
Das Deutsche Symphonie-Orchester bricht mit seinen Casual Concerts mit alten Konventionen und erobert so Zielgruppen, die bisher nicht zu Konzerten gegangen sind.
Wenn auch Sie vom Symphonie-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich:
- Welche Kundengruppen fühlen sich von Ihrem Angebot bisher abgeschreckt?
- Welche Vorurteile gibt es gegenüber Ihrem Angebot und dem Ihrer Branche?
- Welche Faktoren schrecken ab oder sind unverständlich? Gibt es Dünkel in Ihrer Branche?
- Was wird in Ihrer Branche als unverzichtbar betrachtet? Was würde passieren, wenn Sie dies weglassen würden – zugunsten anderer Faktoren?

