Archiv 2010
Schuhe für den Körper
Ein Schuhhersteller, der sein Produkt als „Anti-Schuh“ bezeichnet, zeigt damit schon, dass er sich von der Masse der Konkurrenz abheben möchte. Die Schweizer „Masai Group International“ verkauft seit den späten Neunzigern sehr erfolgreich den MBT-Schuh ( Masai Barefoot Technology), der sich durch sein ungewöhnliches Aussehen und vor allem seine Funktion „für den ganzen Körper“ auszeichnet.
Typisch für MBT-Schuhe ist eine konvex in Laufrichtung abgerundete Sohlenform mit einem eingefügten Fersenweichteil. Bedingt durch die dadurch absichtlich weich und unstabil gemachte Schuhbodenkonstruktion verliert der Fuß den gewohnten Halt. Das wirkt sich auf Teile der Halte- und Stützmuskulatur aus, weil der Körper aktiv im Gleichgewicht gehalten werden muss. Nach Angaben des Herstellers soll das die Koordinationsfähigkeit verbessern und zusätzliche Teile der Skelettmuskulatur beanspruchen.
Der Erfinder des Systems, der Schweizer Ingenieur Karl Müller, hatte Rückenprobleme, die er bei einem mehrjährigen Asienaufenthalt durch regelmäßiges Spazierengehen auf den extrem weichen Böden der Reisfelder verbessern konnte. Dadurch angeregt, entwickelte er für sich selbst einen Schuh, der harte, ebene Böden zu weichen, „unebenen“ Böden machte. Dieser Prototyp führte 1996 zur kommerziellen Vermarktung.
Inzwischen sind einige MBT-Patente abgelaufen, insbesondere das Patent für das Hauptmerkmal: die konvexe Grundform des Schuhbodens. Deshalb sind jetzt auch andere Hersteller auf dem Markt mit vom Ansatz her ähnlichen Ideen, die mit einer "leicht de-stabilen Sohle" ein "Workout im Vorübergehen" versprechen. Skechers vertreibt „ShapeUp“-Schuhe und Reebok hat dieses Jahr mit dem „EasyTone“ gestartet. Als besonders Highlight bietet Reebok auf seiner Website auch noch die Möglichkeit, sich seinen ganz eigenen EasyTone zusammenzustellen, man kann zwischen verschiedenen Materialen und Farben für Sohle, Seiten, Top und Ferse wählen.
Allen gemeinsam ist die faszinierende Idee, ein Produkt, das bisher als nur „für den Fuß“ bekannt war, für den ganzen Körper einzusetzen. MBT setzt dabei weiterhin auf den Schuh als Trainingsmittel für den Rücken und die allgemeine Gesundheit, während Skechers und Reebok mehr die figurbewusste Frau ansprechen möchten. Dementsprechend erhält man die MBT-Schuhe vorwiegend im Orthopädie- und Sanitäts-Fachhandel, ShapeUps im normalen Schuhhandel und EasyTones im Sportgeschäft.
Der consulteria gefällt besonders die Idee, ein altbekanntes Produkt wie den Schuh mit einer völlig neuen Zielsetzung zu versehen und damit ganz neue Kunden anzusprechen.
So funktioniert das Anti-Schuh-Prinzip
MBT, Skechers und Reebok haben erkannt, dass es einen Markt gibt für „Schuhe mit Zusatzfunktion“, das heißt Schuhe, die nicht nur dem Fuß nützen, sondern dem ganzen Körper. Besonders clever war es dabei vom Vorbildgeber MBT, diese Schuhe gleich als „Anti-Schuhe“ zu bezeichnen und sich damit ganz klar von den üblichen Produkten abzugrenzen.
Wenn auch Sie vom Anti-Schuh-Prinzip profitieren wollen, überlegen Sie sich
- Kann mein Produkt einen zusätzlichen Nutzen bekommen, wenn ich mich von der herkömmlichen Form entferne?
- Kann ich mein Produkt auch für völlig andere Zwecke einsetzen und damit neue Käufer ansprechen?
- Kann mein Produkt einen zusätzlichen Nutzen haben, den andere Hersteller noch nicht sehen?
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Website MBT
Website Skechers ShapeUps
Website Reebok EasyTones
MBT bei Wikipedia

